Zum Inhalt springen

Winterreifen

Winterreifen sind in Deutschland bei Glätte, Schneematsch, Eis und Reifglätte Pflicht, und zwar nur noch mit dem Alpine-Symbol (Berg mit Schneeflocke, 3PMSF). Sie lesen hier, was das Gesetz verlangt, was ein Verstoß kostet, wann der Wechsel sinnvoll ist und worauf Sie beim Kauf 2026 achten.

Winterreifen mit feinen Lamellen und Schneeflocken-Symbol auf der Flanke, daneben frischer Schnee

Winterreifenpflicht in Deutschland

Eine feste Winterreifenpflicht von Oktober bis Ostern gibt es in Deutschland nicht. Das wird oft verwechselt, weil die O-bis-O-Regel so bekannt ist. Maßgeblich ist § 2 Abs. 3a StVO: Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eisglätte oder Reifglätte darf ein Kraftfahrzeug nur geführt werden, wenn alle Reifen dafür geeignet sind. Man spricht deshalb von der situativen Winterreifenpflicht. Sie gilt rechtlich an jedem Tag des Jahres, sobald die Straße entsprechend aussieht.

Was „geeignet“ bedeutet, regelt § 36 Abs. 4 StVZO. Seit dem 1. Oktober 2024 zählt nur noch das Alpine-Symbol (3PMSF, „Three Peak Mountain Snow Flake“): ein Berg mit drei Gipfeln und einer Schneeflocke auf der Reifenflanke. Reifen, die nur „M+S“ tragen, genügen nicht mehr. Für Altbestand, der bis Ende 2017 produziert wurde, galt eine Übergangsfrist, und die ist am 30. September 2024 abgelaufen. Das Gesetz spricht außerdem von „allen Reifen“: Gemeint sind vier Räder, nicht nur die Antriebsachse.

Dass das keine Theorie ist, erlebte Matthias Köhler am 2. Oktober 2024. Ein Kunde stand mit einem Satz aus dem Jahr 2014 vor der Tür, Aufschrift M+S, keine Schneeflocke. Zwei Tage früher wären sie noch durchgegangen. „Er hatte noch 5 Millimeter Profil und fühlte sich bestens ausgerüstet“, erzählt Köhler. „Rechtlich besaß er vier Reifen, die bei Schnee nicht mehr zählten.“ Der Kunde kaufte einen neuen Satz.

Bußgeldtabelle Winterreifen: Was ein Verstoß kostet

Der Bußgeldkatalog staffelt den Verstoß nach seinen Folgen. Schon der einfache Fall, also das Fahren bei winterlichen Verhältnissen ohne geeignete Reifen, kostet 60 Euro und einen Punkt im Fahreignungsregister in Flensburg. Wird jemand behindert, steigt der Satz auf 80 Euro, bei Gefährdung auf 100 Euro und bei einem Unfall auf 120 Euro. Dazu kommt die Halterhaftung, die viele vergessen.

VerstoßBußgeldPunkteBetroffen
Fahren bei Glätte ohne Alpine-Symbol60 €1Fahrer
mit Behinderung anderer80 €1Fahrer
mit Gefährdung anderer100 €1Fahrer
mit Unfall120 €1Fahrer
Fahrt angeordnet oder zugelassen75 €1Halter
Profiltiefe unter 1,6 mm60 €1Fahrer
Bußgeldtabelle Winterreifen, Stand 2026.

Teuer wird es oft erst indirekt. Nach einem Unfall schauen Versicherer auf die Bereifung, und die Kaskoleistung kann gekürzt werden, wenn die Reifen nicht zur Lage passten. Ein Bußgeldbescheid über 60 Euro ist dagegen das kleinere Übel.

Was Winterreifen anders machen

Ein Winterreifen ist kein Sommerreifen mit Schneeflocke. Seine Mischung enthält meist mehr Naturkautschuk und viel Silica (Kieselsäure) und bleibt auch bei Frost weich genug, um sich mit der Fahrbahn zu verzahnen. Dieser Effekt wirkt unterhalb von etwa 7 °C auf trockener und nasser Straße genauso wie auf Schnee. Besonders clever ist die Physik auf der weißen Decke: Der Schnee setzt sich in den Lamellen fest, und Schnee haftet am besten an Schnee. Der Reifen nutzt dann nicht mehr die Reibung zwischen Gummi und Boden, sondern die zwischen Schnee und Schnee.

  • Silica-Mischung: bleibt bei Kälte elastisch und haftet auf kalter Nässe.
  • Lamellen: zahllose feine Einschnitte, die Schnee aufnehmen und Kanten für den Biss bilden.
  • Grobes Profil: tiefe Rillen leiten Schneematsch und Wasser ab.
  • Alpine-Symbol: Der Reifen hat in einem genormten Schneetest besser abgeschnitten als ein Referenzreifen.

Warum liegt die Grenze bei etwa 7 °C? Gummi geht beim Abkühlen von einem elastischen in einen eher glasartigen Zustand über. Winterreifen setzen auf Kautschuke, die erst bei deutlich tieferen Temperaturen verhärten. Die 7 °C sind eine Faustregel der Branche und keine physikalische Konstante, der Übergang ist fließend.

Die Kehrseite zeigt sich im Sommer. Auf warmer, trockener Straße ist die weiche Mischung zu nachgiebig, der Bremsweg wächst, und der Verschleiß steigt. Wer die winterliche Bereifung ganzjährig fährt, spart den Wechsel und zahlt mit Profil, Komfort und Sicherheit. Wie sich Mischung und Profil zu den anderen Reifenarten verhalten, zeigt der Überblick zu Reifen.

Wann auf Winterreifen wechseln

Als Rahmen taugt die O-bis-O-Regel: von Oktober bis Ostern Winterreifen. In diesem Zeitraum fallen die Temperaturen regelmäßig unter 7 °C, und genau dort schneiden sie besser ab als Sommerreifen. Warten Sie nicht auf den ersten Schnee. Der kommt häufig nachts, und am Morgen darauf sind die Werkstätten ausgebucht. Wer Mitte Oktober seinen Termin legt, hat Auswahl und Ruhe. Der Kalender zeigt, in welchen Monaten welche Bereifung passt:

Reifenkalender: von O bis O

Die Faustregel: Winterreifen von Oktober bis Ostern, Sommerreifen für den Rest des Jahres. Entscheidend bleibt das Wetter, nicht das Datum. Ostern fällt 2027 auf den 28. März.

  1. Jan
  2. Feb
  3. Mär
  4. Apr
  5. Mai
  6. Jun
  7. Jul
  8. Aug
  9. Sep
  10. Okt
  11. Nov
  12. Dez

WinterreifenSommerreifen

Im Frühjahr geht es zurück auf Sommerreifen, sobald die Morgentemperaturen dauerhaft über 7 °C liegen. Ablauf, Preise und Terminplanung stehen beim Reifenwechsel. Entscheidend ist die Wetterlage, nicht das Datum: In den Mittelgebirgen kann es noch im April schneien, im Rheintal fällt der erste Schnee oft erst nach Weihnachten.

Profiltiefe bei Winterreifen

Gesetzlich gelten auch hier 1,6 mm (§ 36 Abs. 2 StVZO), darunter drohen 60 Euro und ein Punkt. Empfohlen werden 4 mm, denn die Lamellen und Rillen, die auf Schnee den Vortrieb liefern, verschwinden mit dem Profil. Bei 3 mm lässt die Traktion auf Schnee spürbar nach, bei Schneematsch steigt die Aquaplaning-Gefahr. In Österreich ist die Grenze schärfer: Dort müssen die Reifen bei winterlichen Verhältnissen mindestens 4 mm Profil haben.

„Ein Winterreifen mit 3 Millimetern ist ein Sommerreifen mit Schneeflocke. Er darf noch fahren, aber wenn es darauf ankommt, ist er keiner mehr.“

Matthias Köhler, Kfz-Meister, Hannover

Neben dem Profil zählt das Alter. Die gängige Empfehlung lautet: ab sechs Jahren prüfen, spätestens nach zehn Jahren ersetzen, denn die Mischung härtet mit der Zeit aus. Messmethoden, Verschleißanzeiger und die DOT-Nummer erklärt die Seite zur Profiltiefe.

Winterreifen oder Ganzjahresreifen

Seit das Alpine-Symbol Pflicht ist, gibt es einen klaren Maßstab: Ein Ganzjahresreifen mit Schneeflocke erfüllt die Pflicht genauso wie ein reiner Winterreifen. Im Gebrauch ist er aber keiner. Auf Schnee und Eis bleibt der echte Winterreifen im Vorteil, bei Wärme der Sommerreifen, und der Allwetterreifen steht dazwischen.

Unsere Faustregel: Wer in der Stadt oder im Flachland wohnt, wenig fährt und selten Schnee sieht, ist mit einem guten Allwetterreifen gut bedient. Im Mittelgebirge, im Alpenvorland, mit Anhänger oder auf täglichen Pendelstrecken über Land gehört der Winterreifen unter den Wagen. Sparen Sie dort nicht am falschen Ende.

Winterreifen-Test 2026: Kriterien

Im September 2026 hat der ADAC 32 Reifen in zwei Größen geprüft, jeweils 16 in 185/65 R15 (Kleinwagen) und 225/50 R17 (Mittelklasse). Laut den Berichten zum Test erhielten 15 der 32 Reifen keine Kaufempfehlung, in der Kleinwagen-Größe schafften nur zwei die Gesamtnote „gut“. Das zeigt, wie stark die Qualität dieser Reifenart streut, selbst unter bekannten Marken.

Die Tester bewerten Schnee, Eis, Nässe und Trockenheit sowie die Laufleistung. Was für Sie zählt, hängt vom Wohnort ab: In Hannover oder Köln entscheidet kalte Nässe häufiger über die Sicherheit als tiefer Schnee, in Garmisch ist es umgekehrt. Lesen Sie den Test deshalb nach Ihrem Alltag:

  • Schnee: Bremsen und Traktion, wichtig für Mittelgebirge und Alpenvorland.
  • Nässe und Aquaplaning: die häufigste Lage in Norddeutschland.
  • Eis: oft schwächste Disziplin, besonders bei Lamellenreifen mit weicher Mischung.
  • Trockene Straße: Handling bei Kälte, Kurvenstabilität.
  • Laufleistung: ein Reifen mit Bestnote beim Bremsen, der früh abgefahren ist, wird teuer.

Achten Sie darauf, dass die getestete Größe zu Ihrer passt und dass der Test aus der aktuellen Saison stammt. Ältere Tabellen führen Modelle, die der Hersteller längst ersetzt hat. Auf dem EU-Reifenlabel nach Verordnung (EU) 2020/740 zeigt bei geeigneten Modellen ein Piktogramm mit Schneeflocke die Schneetauglichkeit, ein weiteres den Eisgriff.

Winterreifen kaufen: Preise, Felgen, Schneeketten

Winterreifen kosten meist etwas mehr als Sommerreifen derselben Klasse. In der Kompaktklasse (205/55 R16) liegen Budgetmodelle bei 55 bis 75 Euro, Quality-Reifen bei 75 bis 100 Euro und Premiumreifen bei 95 bis 130 Euro pro Stück, jeweils Richtwerte für 2026. Montage und Wuchten kommen mit 15 bis 30 Euro je Reifen dazu. Die größere Frage ist die nach der Felge: Ein zweiter Radsatz spart bei jedem Wechsel Geld und Nerven, weil die Reifen nicht jedes Mal von der Felge gezogen werden müssen.

KriteriumStahlfelgeAlufelge
Preis pro Felge (16 Zoll)45 bis 70 €90 bis 170 €
Gewichtschwererleichter
Streusalzrobust, Steinschlag rostet, Nachlackieren ist billigbraucht intakten Lack, sonst droht Korrosion
Optikmit Radzierblende oder purwertiger
Eignung als Winterraderste Wahl für den Zweitsatzsinnvoll, wenn Sie Wert auf Optik legen
Stahlfelge oder Alufelge für den Winterradsatz (Richtwerte 2026).

Eine Besonderheit betrifft den Geschwindigkeitsindex: Winterreifen dürfen einen niedrigeren Index tragen, als im Fahrzeugschein steht, wenn ein Aufkleber im Blickfeld des Fahrers auf die reduzierte Höchstgeschwindigkeit hinweist. Das kann bei großen Rädern Geld sparen, setzt aber voraus, dass Sie die Grenze auch einhalten. Fragen Sie bei Fahrzeugen mit hoher Motorleistung vorher nach der Herstellerfreigabe.

Schneeketten sind kein Ersatz für Winterreifen, sondern ein Zusatz für Passstraßen. Vorgeschrieben sind sie dort, wo Zeichen 268 steht. Je nach Größe und Bauart kosten sie grob 50 bis 200 Euro, und mit aufgelegten Ketten dürfen Sie meist nicht schneller als 50 km/h fahren (Herstellerangabe beachten). Üben Sie das Auflegen einmal zu Hause, nicht erst im Schneetreiben am Pass.

Winterreifen im Ausland

Wer im Winter in die Alpen fährt, bewegt sich in drei Rechtsräumen mit unterschiedlichen Regeln. Prüfen Sie vor der Reise die aktuellen Angaben von ADAC oder ÖAMTC, denn Fristen und Beträge ändern sich. Der Überblick:

Österreich
Zwischen 1. November und 15. April gilt bei winterlichen Straßenverhältnissen Winterausrüstung: Reifen mit Alpine-Symbol und mindestens 4 mm Profil oder Schneeketten. Verstöße können teuer werden, bei Gefährdung nennen Automobilclubs Beträge bis zu 5.000 Euro.
Schweiz
Es gibt keine generelle Pflicht. Wer mit ungeeigneter Bereifung den Verkehr behindert, muss aber mit Strafen rechnen. Wo Schneeketten per Schild vorgeschrieben sind, müssen sie mindestens auf den beiden Antriebsrädern liegen.
Italien
Die Regeln legen die Provinzen fest. In Südtirol gilt meist der Zeitraum 15. November bis 15. April, im Aostatal 15. Oktober bis 15. April. Zulässig sind winterliche Bereifung oder mitgeführte Schneeketten.

Der sichere Weg ist einfach: Fahren Sie mit Alpine-Symbol, ausreichendem Profil und Schneeketten im Kofferraum, dann sind Sie in allen drei Ländern auf der richtigen Seite.

Häufige Fragen zu Winterreifen

Gilt in Deutschland eine Winterreifenpflicht von Oktober bis Ostern?

Nein. Es gibt eine situative Winterreifenpflicht nach § 2 Abs. 3a StVO: Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eisglätte oder Reifglätte müssen alle Reifen für den Winter geeignet sein, unabhängig vom Datum. Die Zeitspanne von Oktober bis Ostern ist nur eine Faustregel für den Wechsel, kein Gesetz.

Dürfen Sie noch mit M+S-Reifen fahren?

Auf trockener Straße ja, bei winterlichen Verhältnissen nein. Seit dem 1. Oktober 2024 gilt bei Schnee, Eis und Glätte nur noch das Alpine-Symbol (3PMSF) als Nachweis der Eignung. Reifen mit reiner M+S-Kennzeichnung erfüllen die Pflicht nicht mehr. Ein Verstoß kostet 60 Euro und einen Punkt.

Wie viel Profil brauchen Winterreifen?

Gesetzlich gelten 1,6 mm nach § 36 StVZO. Empfohlen werden 4 mm, weil Lamellen und Rillen bei weniger Profil auf Schnee und Matsch spürbar an Wirkung verlieren. In Österreich müssen die Reifen bei winterlichen Verhältnissen mindestens 4 mm Profil haben, sonst drohen Strafen.

Was kostet das Fahren ohne Winterreifen?

Bei winterlichen Straßenverhältnissen zahlen Fahrer 60 Euro und bekommen einen Punkt. Behindern Sie andere, sind es 80 Euro, bei Gefährdung 100 Euro, bei einem Unfall 120 Euro. Der Halter zahlt 75 Euro, wenn er die Fahrt angeordnet oder zugelassen hat. Zusätzlich kann die Kaskoversicherung ihre Leistung kürzen.

Dürfen Winterreifen im Sommer gefahren werden?

Ja, verboten ist es nicht. Die weiche Mischung verschleißt bei Wärme aber schneller, der Bremsweg auf trockener Straße wird länger, und das Fahrverhalten wird schwammiger. Wer im Frühjahr auf Sommerreifen umrüstet, spart Reifen und gewinnt Sicherheit. Als Faustregel gilt: dauerhaft über 7 °C, dann Sommerreifen.